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Schwache Demokratie und Nationalsozialismus

Der Anstieg der Nationalsozialisten bei den Reichstagswahlen in Schleswig-Holstein in den Jahren 1890-1932.

Der Anstieg der Nationalsozialisten bei den Reichstagswahlen in Schleswig-Holstein in den Jahren 1890-1932.

Nach der Revolution im November 1918, die in Kiel beginnt und sich in ganz Deutschland ausbreitet, stabilisiert sich die politische Entwicklung bald wieder. Landwirtschaft, Industrie und Handel nehmen einen begrenzten Aufschwung. Die Modernisierung der Infrastruktur setzt sich fort und verlagert sich quasi von der Schiene auf die Straße: das Auto und der Omnibus drängen seit den 1920er Jahren das Pferdefuhrwerk zurück, und der Transport der Elektrizität durch Überlandleitungen schafft die Voraussetzung für die Verbreitung von elektrischem Bügeleisen, Kühlschrank und Staubsauger. Allerdings ist die politische Entwicklung trügerisch. Die Wirtschaftskrise des Jahres 1929, mit der die Parteien des "Weimarer Systems" nicht fertigwerden, führt eine politische Radikalisierung herbei, vor allem im heutigen Nordfriesland und in Dithmarschen, von der die Nationalsozialisten profitieren. Sie haben in den Reichstagswahlen von 1932 den größten Zulauf, werden stärkste Partei und gewinnen zeitweise in Schleswig-Holstein die absolute Mehrheit der Stimmen.

In den Jahren nach der Machtübernahme von 1933 setzen die Nationalsozialisten auch in Schleswig-Holstein ihre Herrschaft durch. Sie stützen sich auf eine breite Zustimmung. Allerdings gibt es auch Widerstand, doch dieser wird mit Gewalt gebrochen. Die jüdische Bevölkerung wird grausam verfolgt. Im Kriege werden einzelne Städte von Luftangriffen schwer getroffen, doch das Land bleibt ansonsten unzerstört. Am Ende des Krieges steht Schleswig-Holstein, wohin sich neben vielen Dienststellen des zusammenbrechenden Reiches fast eine Million Flüchtlinge retten, vor kaum lösbaren Problemen. Die geschäftsführende Reichsregierung unter Dönitz wird am 23. Mai 1945 in Flensburg von den Briten verhaftet.

-ulla-

  • 1918

    Jan.: Werftarbeiterstreik in Kiel; 1. 11. Das III. Geschwader der deutschen Hochseeflotte wird von Wilhelmshaven nach Kiel verlegt; 2.11. Erste Versammlung revolutionärer Matrosen in Kiel (Matrosenaufstand); 4./5.11. Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates in Kiel, Verabschiedung der „14 Kieler Punkte“; 5.- 8.11. Gründung von Arbeiter- und Soldatenräten in anderen Städten des Landes; Nobelpreis für Physik an den in Kiel geborenen Begründer der Quantentheorie Max Planck (1858 – 1947)

  • 1919

    4.-8.2. Unruhen in Kiel, 10.3. Heinrich Kürbis Oberpräsident; 28.6. Friedensvertrag von Versailles, Festlegung der Volksabstimmung in Schleswig

  • 1921

    20.2. Reichstagswahlen und Wahlen zum Provinziallandtag (Kommunalwwahlen) in Schleswig-Holstein

  • 1922

    Heimvolkshochschule in Leck; Kirchenverfassung der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche

  • 1924

    „Reichsbanner“ in Schleswig-Holstein gegründet; Stadtrecht für Geesthacht

  • 1926

    Mit dem Sönke-Nissen-Koog nordwestlich von Bredstedt wird der letzte privat finanzierte Deichbau abgeschlossen; Pädagogische Akademie für Volksschullehrer in Kiel; Reinfeld erhält das Stadtrecht

  • 1928

    Jan.: Aufruf Otto Johannsens aus Büsum zu Protestversammlungen der Landwirte und des Mittelstandes; 18.1. Bauernverein und Kleinbauernbund schließen sich zum „Schleswig-Holsteinischen Bauernverein“ zusammen; 28.1. Protestversammlungen der Bauern in schleswig-holsteinischen Kreisstädten

  • 1929

    29.3.: „Blutnacht von Wöhrden“ im Streit zwischen Kommunisten und SA sterben zwei SA-Leute, Hitler kommt zur Beerdigung nach Dithmarschen; Der Nobelpreis für Literatur geht an den Lübecker Thomas Mann (1875 – 1955); 21.12. “Schleswag” wird gegründet (Elektrifizierung)

  • 1931

    Staatsvertrag zwischen Preußen und der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche

  • 1932

    17.7. Blutige Zusammenstöße zwischen Kommunisten, Nationalsozialisten und der Polizei in Altona („Blutsonntag„); Zusammenlegung der Landkreise Husum und Eiderstedt sowie Norder- und Süderdithmarschen (für ein Jahr), Aufhebung des Kreises Bordesholm (Landkreise); Okt.: Heinrich Thon zum Oberpräsidenten berufen, Regierungspräsident Waldemar Abegg abgesetzt, Anton Wallroth zum Regierungspräsidenten berufen; Beginn der Gleichschaltung.

  • 1933

    11. 1. „Altonaer Bekenntnis“; 30. 1. Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler; Jan.-April Einrichtung von Konzentrationslagern in Glückstadt, Kuhlen und im oldenburgischen Landesteil Lübeck; Febr.: Streiks in Lübeck; Febr.-Juni: „Ostersturm“ an der deutsch-dänischen Grenze;11.3. Besetzung des Kieler Rathauses durch SA- und SS-Formationen; 12.3. Friedrich Völtzer zum Reichskommissar für Lübeck ernannt; 21.3. Einrichtung von Sondergerichten; 25.3. Der Gauleiter der NSDAP Heinrich Lohse wird zum Oberpräsidenten ernannt; 1.4. Boykott der Geschäfte jüdischer Bürger; 21.4. Verfügung, Nationalpolitische Erziehungsanstalten einzurichten (Napola); 2.5. Besetzung der Gewerkschaftshäuser und Auflösung der Gewerkschaften, 7.5. Selbstmord des Reichstagsabgeordneten Ernst Oberfohren in Kiel; 10.5.-Juni Bücherverbrennungen in den Städten; 22.6. Verbot der SPD; 24.6. Verbot der Zeugen Jehovas; 12.9. Landessynode in Rendsburg („Braune Synode“); 12.10. Ermordung Otto Eggerstedts im KZ Esterwegen;

  • 1937

    1. 4. : Groß-Hamburg-Gesetz; 13.5. Eröffnung der Autobahn Lübeck-Hamburg; Errichtung des Sondergerichts Kiel

  • 1938

    Febr.: Anton Wallroth abgesetzt, Wilhelm Hamkens neuer Regierungspräsident; 9./10.11. Verfolgungsaktion gegen jüdische Bürger („Reichskristallnacht“)

  • 1940

    Juli: Erster großer Luftangriff auf Kiel

  • 1941

    6.12: Deportation der Schleswig-Holsteinischen Juden nach Lettland

  • 1942

    28./29.3. Vernichtender Luftangriff auf Lübeck

  • 1943

    10. 11. Hinrichtung der Lübecker Geistlichen Prassek, Lange, Müller und Stellbrink (Christen und Juden)