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Helgoland

Helgoland um 1860 - Lithographie von Wilhelm Heuer

Helgoland um 1860 – Lithographie von Wilhelm Heuer

Helgoland ist die einzige Hochsee- und die einzige Felseninsel Deutschlands. Sie besteht aus Buntsandstein, der im Erdaltertum (siehe Eiszeitland) durch aufsteigendes Salz an die Oberfläche gepresst wurde. 1231 wird die Insel im Erdbuch Waldemars II. erstmals erwähnt. Die Besitzverhältnisse blieben im Mittelalter unklar. Herzog Friedrich von Gottorf (*1471/1490-1553†) beanspruchte die Insel bei der Landesteilung 1490 erfolgreich für sich. 1807 besetzte englisches Militär die Insel, nachdem Napoleon die Kontinentalsperre angeordnet hatte. Die Insel wurde zum Umschlagplatz für britischen Kolonialwaren, die vor allem über Tönning in das Festland eingeschmuggelt wurden. 1826 entstand die erste Badeanstalt. Mit ihr begann der Bädertourismus auf der Insel. Sie war als englisches Gebiet gleichzeitig auch Fluchtstätte für deutsche Intellektuelle in den 1830 bis -60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Unter ihnen war auch Hugo Hoffmann von Fallersleben(*1798-1874†), der am 26.8.1841 auf Helgoland  den Text zum „Lied der Deutschen“ verfasste.

Helgoland wird Deutsch

1890 tauschte das Deutsche Reich Helgoland gegen ostafrikanische Interessen und Besitzungen (Helgoland-Sansibar-Vertrag) ein. Die Helgoländer retteten aus der britischen Zeit die Zollfreiheit für die Insel. Sie blieb Erholungsort (bis 1914 jährlich rund 30.000 Gäste), doch begann der Ausbau zu einem Flottenstützpunkt. Im Ersten Weltkrieg wurde Helgoland zum ersten Mal evakuiert. Auf der Felseninsel blieb eine Garnison mit 3.900 Soldaten. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Insel gemäß den Vorschriften des Versailler Vertrages „entfestigt“ werden. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurde erneut wieder aufgerüstet. Ein Torpedoboothafen entstand, die der Felseninsel vorgelagerte Düne wurde zu einem Flugplatz ausgebaut und im Buntsandstein wurde ein ausgedehntes Stollensystem zu Schutz vor Luftangriffen angelegt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Helgoland das Ziel mehrerer schwerer Bombenangriffe. Im April 1945 wurde die gesamte Bebauung zerstört. Der Versuch einiger Helgoländer, die Insel den Briten kampflos zu übergeben, scheiterte. Die Nationalsozialisten ließen acht Beteiligte in Cuxhaven wegen Landesverrates hinrichten.

„Big Bang“ und Rückkehr

Nach dem Ende des Krieges wurden die 2 600 Insulaner erneut evakuiert und auf 150 Orte auf dem Festland verteilt. April 1947 mißlang der Versuch der Briten mit dem Big Bang die Insel zu sprengen. Zahlreiche Proteste und Inselbesetzungen führten schließlich dazu, daß Helgoland am 1. 3. 1952 wieder freigegeben wurde. Für die Insel wurde ein städtebaulich einheitliches Konzept entworfen. Die Neubebauung steht heute unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Helgoland als Ferieninsel und Ausflugsziel mit zollfreiem Einkauf eine lange Blüte. In den 1980er Jahren zeigte sich, dass Quartiere und die Konzepte aus der Zeit des Wiederaufbaus die Zukunft nicht mehr sichern konnten. Seitdem versucht die Insel, ein neues Profil zu entwickeln, sich auch vom Image des „Fuselfelsens“ zu befreien.

Insel der Forschung

Für die Meereskunde und die Ornithologie ist Helgoland ein wichtiger Standort. Geforscht wird in der Biologischen Anstalt, die als einzige Einrichtung rund um die Nordsee über Messreihen zum Zustand der Nordsee seit den 1930er Jahren verfügt. Da Helgoland mitten in der Nordsee eine wichtige Station für den Vogelzug ist, gilt die Vogelwarte Helgoland eine international bedeutende Anlaufstelle. Um Helgoland herum gibt es das einzige Felswatt in Deutschland. Berühmt ist Helgoland für seine Hummer. Auf schmalen Simsen im Buntsandstein über den Felslitoral finden sich die einzigen Brutkolonien von Dreizehenmöwen und Trottellummen in der Deutschen Bucht. Tipp: www.helgoland.de

-ju-(0201/0721)

Quelle: Michael Herms, Flaggenwechsel auf Helgoland, Berlin, 2002, Ch. Links Verlag, ISBN 978-3861532606; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Herausgeber), Schleswig-Holstein Lexikon, 2. erweiterte und verbesserte Auflage, 2006, Neumünster, Wachholtz-Verlag, ISBN 13: 9-783529-02441-2

Bildquelle: Museum für Hamburgische Geschichte