Heinrich Rantzau mit etwa 60 Jahren (um 1586)- unbekannter Künstler

Heinrich Rantzau ( *1526 – 1598†) war Adliger, Humanist, Amtmann von Segeberg, Statthalter des königlichen Landesherrn in den Herzogtümern sowie führender Repräsentant der Ritterschaft. Er entstammte der damals reichsten und mächtigsten holsteinischen Adelsfamilie, deren Mitglieder sich selbst als „Originarii“, das heißt als nordelbischer „Uradel“, verstanden. Sein Vater war Johann Rantzau (*1492-1565†), seine Mutter Anna von Walstorp (*1505-1582†). Anders als sein Vater, der sich als spätmittelalterlicher Adliger an Waffenhandwerk und Kriegskunst erfreute und als Pilger die heiligen Stätten im Vorderen Orient, in Rom und in Santiago de Compostela besuchte, war Heinrich als weithin bekannter Gelehrter und Humanist ein Vertreter des akademisch gebildeten Adels (lateinisch „nobilitas erudita“). Sein betont humanistisches Selbstverständnis kam nicht zuletzt in seinem auf Latein verfassten, in Form eines klassischen Distichons gekleideten persönlichen Wahlspruch zum Ausdruck, der die Selbstüberwindung gegenüber dem Waffenhandwerk in den Vordergrund treten ließ. Tapferer sei, wer sich selbst als wer die stärksten Mauern bezwinge; nichts Höheres vermöchte Tugend zu leisten (lateinisch „Fortior est, qui se quam qui fortissima vincit / moenia, nec virtus altius ire potest.”).

Das Rantzausche Zeitalter

Wie schon sein Vater war auch er ein exponierter Repräsentant der Ritterschaft und bekleidete höchste landesherrliche Ämter. Beide haben die Geschichte der Herzogtümer Schleswig und Holstein während des 16. Jahrhunderts nachhaltig geprägt, weshalb diese Epoche in der landesgeschichtlichen Forschung auch als das „Rantzausche Zeitalter“ bezeichnet wird. Hatte sein Vater dem eigenen Bekunden nach drei dänische Könige auf den Thron gebracht, so verstand Heinrich sich während der Herrschaft von Christian III. (*1503/1534-1559†), Friedrich II. (*1534/1559-1588†) und Christian IV. (*1577/ 1588-1648†) eher als ein treuer Gefolgsmann dieser Fürsten, für die er bis kurz vor seinem Tod als Statthalter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein fungierte und denen er darüber hinaus mit Rat und Tat zur Seite stand. Davon zeugen nicht zuletzt seine in dichter Folge an den dänischen Königshof ergangenen „Relationen“ und die ursprünglich als Triumphbogenmonument für König Friedrich II. errichtete Segeberger Rantzau-Kapelle.

Beeindruckt von Luther

Über Heinrich Rantzaus Kindheit und Jugend wissen wir kaum etwas. Er wird die damals übliche adlige Erziehung genossen haben. Darüber hinaus dürfte er vermittelt durch einen Hauslehrer eine erste Elementarausbildung erfahren haben, die vermutlich auch schon eine Einführung in die lateinische Sprache umfasste. Von seinem zwölften Lebensjahr an studierte er, angeleitet durch seinen gelehrten Hofmeister Johannes Saxonius, für mehrere Jahre an der im gesamten protestantischen Raum führenden Universität Wittenberg, wo ihn Luther und insbesondere Melanchthon am meisten beeindruckten und nachhaltig prägten. Die Jahre 1548 bis 1553 verbrachte Heinrich dann gemeinsam mit Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf am Hofe Kaiser Karls V. 1554 trat er in königlich-landesherrliche Dienste, diente zunächst Christian III. als königlicher Rat, wurde 1555 Amtmann von Segeberg und war von 1556 bis 1598 Statthalter Christians und seiner beiden Nachfolger in den Herzogtümern Schleswig und Holstein.

Blick über Plön von Braun-Hogenberg – oben links der 1590 erworbene Stammsitz der Rantzaus

Der Gelehrte Heinrich Rantzau

Heinrich Rantzau, der eine überregional bedeutende Bibliothek besaß, verfasste als Humanist selbst zahlreiche Werke zur Geschichte des Landes, darunter eine umfangreiche lateinische „Beschreibung der Kimbrischen Halbinsel“ (1597), die allerdings erst Mitte des 18. Jahrhunderts gedruckt wurde. In diesen Werken stehen die großen Taten von Mitgliedern der Familie Rantzau, allen voran seines Vaters Johann, im Vordergrund. Darüber hinaus betätigte Heinrich Rantzau sich als Mäzen und unterstützte das Schaffen von Literaten und Gelehrten. Dass die Herzogtümer Schleswig und Holstein sowie die Städte und Länder der dänischen Monarchie im großen Städtewerk von Georg Braun und Franz Hogenberg (1588/1598) sowie in Mercators Atlas (1585/95) so prominent vertreten sind, ist ebenfalls seinem Wirken zu verdanken. Sein Briefwechsel mit Georg Braun bezeugt, mit welchem Engagement sich der Humanist der Herausforderung annahm, die Kölner Offizien der beiden Herausgeber mit geeigneten Bildvorlagen und informativen Texten zu versorgen.

Das abrupte Ende der Blüte

Heinrich Rantzau verstorben im Alter von 73 Jahren 1598

All dies war nur möglich, weil Heinrich Rantzau als Besitzer zahlreicher Güter und Inhaber landesherrlicher Ämter durch Gutswirtschaft, Getreideexport und Geldgeschäfte einen bemerkenswerten Reichtum erworben hatte. Nicht zuletzt hatte er mit Christine von Halle (*1533-1603†) eine reiche Erbin aus dem Braunschweigischen Adel geheiratet, die ein nicht unerhebliches Vermögen mit in die Ehe brachte. Gemeinsam mit ihr hatte Heinrich zwölf Kinder. Die wirtschaftliche, kulturelle und intellektuelle Blütezeit, die Teile der Herzogtümer Schleswig und Holstein nicht zuletzt durch das vielfältige persönliche Engagement und durch das Mäzenatentum Heinrich Rantzaus gegen Ende des 16. Jahrhunderts erreicht hatten, endete abrupt, als die Truppen Wallensteins 1627 die Elbe überschritten und das Land verwüsteten. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem die beeindruckende Anlage der Breitenburg geplündert und die Büchersammlung Rantzaus, eine der bedeutendsten Renaissance-Bibliotheken des gesamten Nordens, in alle Winde verstreut. Ein ähnlich beklagenswertes Schicksal widerfuhr nur wenige Jahre später auch der Rantzauschen Grabkapelle in Itzehoe, die während der Schwedenkriege des 17. Jahrhunderts gemeinsam mit dem Gotteshaus ein Raub von Flammen und Zerstörungswut wurde. Neben der Breitenburg wurden auch die anderen der seinerzeit zahlreichen Herrenhäuser Heinrich Rantzaus vielfach überbaut oder durch neue Bauten ersetzt, so dass dessen äußerlich sichtbare Spuren im Lande über die Jahrhunderte rar geworden sind. Nur weniges hat sich vor allem in und um Itzehoe und im Raum Segeberg erhalten, während das wahre Vermächtnis des Humanisten Heinrich Rantzau in seinen eigenen und den von ihm angeregten und geförderten literarischen und landeskundlichen Werken fortbesteht.

Prof. Dr. Detlev Kraack (0526*)

Quellen: Schleswig-Holsteinische Regesten und Urkunden Bd. 9: Herrschaft Breitenburg 1256-1598, bearb. von Kurt Hector u. Wolfgang Prange (Veröffentlichungen des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs, 21), Neumünster 1988 – Heinrich Rantzau (1526-1598). Königlicher Statthalter in Schleswig und Holstein. Ein Humanist beschreibt sein Land [Katalog zur Ausstellung im Landesarchiv Schleswig-Holstein] (Veröffentlichungen des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs, 64), Schleswig 1999. – Dieter Lohmeier, Heinrich Rantzau. Humanismus und Renaissance in Schleswig-Holstein (Kleine Schleswig-Holstein-Bücher 50), Heide 2000. – Detlev Kraack, Schleswig-holsteinische Geschichte in Lebensbildern, Kiel/Hamburg 2016, S. 86-87. – Detlev Kraack, Geboren 1526 – 500 Jahre Herzog Adolf von Gottorf (1526-1586) und Heinrich Rantzau (1526-1598). In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 151 (2026), S. 6-30.

Bildquellen: Porträts gemeinfrei Wikipedia; Plön: Braun Hogenberg