Anton (Walther) Heimreich (*1626-1685†) stammte aus einer Pastorenfamilie auf der Insel Nordstrand. Er schuf das erste Geschichtsbuch Nordfrieslands und prägte damit bis heute die Überlieferung. Als jüngster von drei Brüdern studierte er Theologie in Helmstedt, Jena und Leiden. Nach einer mehrjährigen Rundreise durch Europa, vermutlich als Begleiter eines Adeligen, kehrte er 1652 nach Nordfriesland zurück und übernahm von seinem ältesten Bruder die Pfarrstelle auf Nordstrandischmoor. Dort lebte er bis zu seinem Tod. Er bezeichnete die Hallig als einen „zwar schlechten, doch ihn vergnügenden Ort“. Nordstrandischmoor ist ein Rest der bei der zweiten „Mandränke“ 1634 zerschlagenen alten Insel Nordstrand. Mit acht Jahren hatte Anton die Katastrophe miterlebt.
Die Chronik entsteht

Im Jahr 1666 legte Heimreich die „NordFresische Chronick“ vor und veröffentlichte bereits zwei Jahre später eine zweite Auflage. Es war das erste gedruckte Geschichtsbuch für Nordfriesland. Durch Besitzungen auf Eiderstedt und auf Pellworm war er offenbar wirtschaftlich abgesichert. Eiderstedt und Nordstrand bilden die Schwerpunkte in seiner Chronik. Das lag wohl daran, dass er dort auf Quellen zurückgreifen konnte, vor allem auf Dokumente von den Pastoren Matthias Boetius (*1580/85-1625†) und Johannes Petreus (*1540-1603†) sowie die Aufzeichnungen des Eiderstedter Bauern und Chronisten Peter Sax (*1597-1662†). Die Überlieferung heute verlorener Geschichtsquellen sowie die Nachrichten aus seiner eigenen Zeit machen die Chronik besonders wertvoll, während sie in der älteren Geschichte vielfach auf Spekulationen beruht. In einem Brief an Peter Sax nannte er seine Absicht, „unser Vaterland, das mitten in den Wassern fast versunken ist, auf irgend eine Weise von den Toten wieder zu erwecken“. Manches, was heute unumstößlich zur Überlieferung Nordfrieslands zu gehören scheint, stammt aus Heimreichs Chronik. Dies gilt vor allem für die Sage vom reichen Ort Rungholt, dessen übermütige Bewohner bei der ersten Mandränke umkamen. Auch den Ausspruch „Trutz, blanke Hans“ haben wir Heimreich zu verdanken.
Mehr von Heimreich …
Heimreich lebte in einer für die Uthlande bitteren Zeit. Die Bewohner konnten es nach der verheerenden Flut nicht leisten, das Land wieder zu bedeichen. Der Gottorfer Herzog Friedrich III. (*1597/1616-1659†) holte daraufhin Niederländer an die Westküste. Heimreich musste nun die herzoglichen Verfügungen von der Kanzel verlesen und erleben, wie die Einheimischen zu „Fremdlingen im eigenen Vaterlande“ wurden. Einst freie Bauern waren nun nur noch Landarbeiter oder Pächter. Nicht wenige verließen Nordfriesland. Der Pastor von Nordstrandischmoor blieb ein fleißiger Schreiber. Das schon 1572 erlassene Nordstrander Landrecht mit dem Spadelandesrecht verschriftlichte er und ließ es drucken. Bis 1900 das „Bürgerliche Gesetzbuch“ für ganz Deutschland eingeführt wurde, war es in den Uthlanden eine Grundlage der Rechtsprechung. Auch gab er die „Dithmarsische Chronik“ erstmals im Druck heraus. Hauptquelle war der Büsumer Pastor Neocorus (*1559-1630/31†).

Nordfriesisch
Mit und nach der Sturmflut von 1634 ging auf Nordstrand und Pellworm Nordfriesisch als Umgangssprache unter. Heimreich nennt sie eine Besonderheit seiner Heimat. Und – für die Zeit außergewöhnlich – er erklärt, Friesisch könne „sowohl als andere ausländische Sprachen geschrieben werden“. Die zweite Ausgabe seiner Chronik 1668 ergänzte er um zwei auf Friesisch verfasste Gedichte. Sie gehören zu den ältesten Sprachdenkmälern des Nordfriesischen.
Familientradition
Heinrich Heimreich (*1661-1730†) blieb der einzige Sohn aus der Ehe mit Helene Finck. Er wurde wie sein Vater Pastor auf Nordstrandischmoor. Auch dessen Arbeit als Chronist setzte er fort. Ihm verdanken wir die ausführlichen Schilderungen der Sturmfluten von 1717 bis 1721. Niels Nicolaus Falck, der 1833 erster Vorsitzender der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte wurde, nahm sie 1819 in die dritte Ausgabe der Chronik Heimreichs auf.
Anton Heimreich war nach Ansicht seiner Biografen in Gliederung und Darbietung seiner Texte „nicht sehr gewandt“. Seine Chronik ist vor allem durch den Quellenwert vieler heute anders nicht mehr zugänglicher Dokumente bedeutend. Und obwohl er die erste Chronik von Nordstrand und auch Nordfriesland veröffentlichte, gibt es bis heute kein Denkmal oder wenigstens eine Tafel, die auf Nordstrand an sein Wirken erinnert.
Thomas Steensen ( 0326*)
Quellen: Thomas Steensen, „Nordfriesland – Menschen von A – Z“, Husum 2020, S.167/168, Husum Druck, ISBN 978-3-96717-027-6; Dieter Lohmeier, Anton Heimreich, in: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon, Bd. 4, S. 8 ff., Neumünster 1976, Wachholtz Verlag; Thomas Steensen, Das erste Geschichtsbuch über Nordfriesland, Serie „Vor 400 Jahren in Nordfriesland“, in: Husumer Nachrichten vom 2. März 2026, Seite 27.
Abbildungen: Die „NordFresische Chronick“ von 1668 mit dem Porträt des Verfassers – Quelle: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek; Kirche von Oldenbüll – Foto: Thomas Steensen