Adam Olearius wurde mit seiner Reisebeschreibung einer Reise nach Russland und Persien 1647 auf Schlag berühmt. Als Hofgelehrter sorgte er danach am Hof Friedrich III. für kulturellen Glanz des Hofes von Gottorf
Adam Olearius – ein Porträt von Jürgen Ovens aus dem Jahre 1669

Schriftsteller, Kartograph und Poet

1647 wurde der Gelehrte Adam Olearius (*1603-1671†) schlagartig in ganz Deutschland bekannt. Seine „Beschreibung der muskowitischen und persischen Reise“ machte Furore und wurde bald in alle Kultursprachen übersetzt. Sie gilt als die erste wissenschaftliche Reisebeschreibung in deutscher Sprache. Bis heute ist sie eine der wertvollsten Quellen und erste authentische Beschreibung Persiens seit dem Altertum und gilt als gründlichste Darstellung Russlands aus dieser Zeit. Friedrich III. von Holstein-Gottorf (*1597/1616-1659†) hatte ihn als „Reisesekretär“ nach Russland und Persien gesandt. Nach der Reise wurde Olearius Gelehrter an dessen Hof und schuf dort er unter anderem auch den „Gottorfer Globus“

Eine Stadtansicht von Kazan von Adam Olearius aus der erweiterten Ausgabe der Reisebeschreibung von 1656

Herr Oelschlegel aus Aschersleben

1603 als Adam Oelschlegel in Aschersleben geboren, besuchte er dort das Stephaneum. Dann wechselte er auf die Universität nach Leipzig. 1627 taucht in seiner Magisterschrift erstmals der Name in der latinisierten Form „Olearius“ auf. Zwei Jahre später habilitierte er. Von 1630 bis 1633 arbeitete Olearius als Konrektor an der Nicolaischule in Leipzig. Mit dem Lyriker und Arzt Paul Fleming (*1609-1640†) ließ er sich als Reisesekretär für die von Friedrich III. initiierte „Gesandtschaft“ nach Persien anwerben. Unter der Leitung des Kaufmannes Otto Brüggemann (*1600-1640†) startete die 34-köpfige Reisegruppe am 6. November 1633 nach Moskau. Ziel war es, das niederländische Monopol auf den Handel mit Persien zu brechen und Fernhandel dorthin z.B. über Kiel zu initiieren. Fest vom Erfolg des Unternehmens überzeugt, ließ der Gottorfer vor die Nikolaikirche am (heute) Alten Markt in Kiel Magazine bauen, die „Persianischen Häuser“.

1632 bis 1638, während der Reisezeit der Gesandtschaft, entstanden in Kiel vor der Nikolaikirche die „Persianischen Häuser“. Weil der Handel mit Persien nie zustande kam, wurden die Häuser für Wohnzwecke genutzt. 1944 wurde das Ensemble ein Opfer der Bomben.

Zwei erfolgreiche Flops

Die erste Reise nach Moskau sollte dazu dienen, den Landweg für den Handel mit Persien abzusichern. Es gelang Brüggemann, mit Zar Michael Feodorowitsch (*1596/1613-1645†) Stapelrechte an der Wolga auszuhandeln. Allerdings wurde dafür ein jährlicher Preis von 600.000 Talern vereinbart. Dieser Preis war völlig unrealistisch und die Reise damit quasi gescheitert, als die Expedition am 6. April 1634 nach Gottorf zurückkehrte. Trotzdem wurde gleich die nächste Reise vorbereitet. Am 22. Oktober 1635 machte sich eine nun viel größere Reisegruppe per Schiff auf den Weg nach Moskau. Im März 1636 kam sie dort an. Über die Wolga und das Kaspische Meer erreichte die Gruppe nach einem Schiffbruch über Land Schamacha, die Hauptstadt der persischen Provinz Schirwan am 30. Dezember 1636. Dort wurde eine Pause von vier Monaten eingelegt. Adam Olearius nutze sie unter anderem für astronomische Ortsbestimmungen. Auch tauschte er sich mit ortsansässigen Gelehrten über die Geographie aus und erlernte Persisch. Anfang August 1637 war dann die persische Hauptstadt Isphahan erreicht. Die Gottorfer wurden dort am Hof des Schahs Safi I. (*1611/1629-1642†) zunächst freundlich aufgenommen. Otto Brüggemann trat jedoch anmaßend auf und verspielte so jeglichen diplomatischen Kredit. Die Mission scheiterte so; ohne irgendetwas erreicht zu haben, ging es am 21. Dezember 1637 auf die Rückreise. Adam Olearius erhielt auf dem Rückweg in Moskau das Angebot, als Hofastronom des Zaren zu arbeiten. Er lehnte ab und zog es vor, von 1639 an „Hofmathematiker“ auf Gottorf zu werden. Während Friedrich III. seinen „Secretarius“ mit einem attraktiven Posten versorgte, ging er mit dem Gesandtschaftsleiter Otto Brüggemann hart ins Gericht. Er wurde für das Scheitern der Mission verantwortlich gemacht, in einem Kriminalprozess wegen groben Amtsmissbrauchs zum Tode verurteilt und am 5. Mai 1640 hingerichtet.

Karriere auf Gottorf

Adam Olearius konnte nicht nur 1640 Catharina Müller heiraten, die er auf seinen Reisen in Reval kennen gelernt hatte. Als „Hofmathematiker“ und seit 1649 als „Hofbibliothekar“ konnte er sich entfalten. Er hatte Muße, seine Reisebeschreibungen zu verfassen, die 1647 in einer Erstausgabe herauskamen und 1656 überarbeitet und ergänzt verlegt wurden. Sie wurden in ganz Europa ein Erfolg und lenkten das Interesse auf den Hof Friedrichs III. Das war dessen Ziel, denn er wollte Gottorf zu einem kulturellen Zentrum machen. Olearius erweiterte so die Bibliothek entscheidend. Entsprechend einer Mode der Zeit baute er von 1666 an für seinen Herzog auch eine „Kunstkammer“ auf, in der „Merkwürdigkeiten“ aus fremden Kulturen sowie der Pflanzen- und Tierwelt gesammelt wurden. Olearius war nicht nur Dichter, Karthograph, Übersetzer und Astronom, sondern auch Mathematiker und Konstrukteur. Er baute für seinen Herzog den Gottorfer Globus, eine kreisende Kugel, in deren Inneren man den gesamten damals bekannten Himmel erleben konnte. 

Titel der Erstausgabe 1647

Ende einer glücklichen Zeit

Adam Olearius machte Gottorf mitten im Dreißigjährigen Krieg zu einem glänzenden Hof. Er erlebte dort eine produktive und glückliche Zeit, Friedrich III. unterstützte ihn nach Kräften und seine Frau schenkte ihm drei Kinder. Als der Herzog 1659 verstarb, blieb Olearius auf Gottorf, zog sich aber weitgehend zurück. Als er am 22.Februar 1671 seinem Herzog folgte, hinterließ er seine bis heute richtungsweisenden Reisebeschreibungen, Übersetzungen persischer Literatur, eine große Bibliothek und den Gottorfer Globus. 

-ju- (0522*)  

Quellen: Uwe Jenß, Adam Olearius, in: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon, Band 1, S. 211-213, Neumünster, 1970, Wachholtz Verlag; Dieter Lohmeier, Otto Brüggemann, in: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon, Band 3, S. 51-53, Neumünster, 1974, Wachholtz-Verlag; Claus Priesner, „Olearius, Adam“, in: Neue Deutsche Biographie 19., 1999, S. 517-519.  

Bildquellen: Vignette/Porträt: Gemälde Jürgen Ovens, 1669, „Statens Museum for Kunst“, Kopenhagen; Stadtarchiv Kiel, Archivnummer 13891: Persianische Häuser – Foto: Christian Hinrichsen, 1868; SHLB: Ausschnitt Buch 1665, Titel 1647;