Am Pfahl am Fuss der Warft der „Hamburger Hallig“ ist abzulesen wie hoch die historischen Sturmfluten gestanden haben

Die „Hamburger Hallig“ verdankt ihren Namen den beiden Hamburger Kaufleuten Rudolf (*1577-1636†) und Arnold Amsinck (*1579-1656†) . Sie erwarben 1624 von dem Gottorfer Herzog Friedrich III. (*1597/1616-1659†) eine „Oktroy“ und damit das Recht, das aufgewachsene Land vor der Nordost-Ecke der Insel Strand zu bedeichen. Dagegen gab es erhebliche Widerstände, denn die Einheimischen reklamierten das Recht neues Land zu gewinnen wie bis dahin üblich für sich. Die Amsinck-Brüder durften trotzdem deichen. Während des Baues kam es zu einem Aufstand der Deicharbeiter (Lawai). 1628 war das „Amsinck-Koog“ genannte Neuland fertiggestellt.

Untergang nach sechs Jahren

Die Zeit der reichen landwirtschaftlichen Erträge in dem „goldenen Ring“ war kurz. Schon am 11. Oktober 1634 ging der neue Koog mit der größten nordfriesischen Marschinsel Alt-Nordstrand (Strand) bei der Burchardiflut, der „Zweiten Großen Mandränke„, unter. 6.000 Menschen – mehr als zwei Drittel der Bewohner Strands – starben. Die Deiche brachen an 44 Stellen, Chronist Anton Heimreich (*1626-1685†) beschrieb, der Amsinck-Koog sei “ gräulich zerrissen und verwüstet und der ganze Koog von der wütenden See überfallen und angefüllt“. Allein die Warft mit dem „Hamburger Haus“ blieb stehen und wurde während der Flut zur Rettung für viele Strander. Die Brüder Amsinck ließen sich nicht entmutigen. Sie erwarben sogar 1.600 Hektar ehemals binnendeichs gelegenen Landes hinzu und begannen erneut mit dem Deichbau. Rudolf starb zwei Jahre nach der Burchardiflut. In den Wiederaufbau steckte Arnold Amsinck nun sein gesamtes Vermögen. Ein Jahr vor seinem Tod 1656 vertraute er sich Pastor Anton Heimreich an. Dieser überliefert, dass die Amsincks für das Deichprojekt die gewaltige Summe von mehr als 300.000 Reichstaler aufgewendet haben sollen, „und zwei kleine elende Halligen, mit Gras bewachsen, welche kaum mehr als Sommerweide für das Vieh dienen konnten, das war das ganze Resultat, welches der Greis vor seinen Augen liegen sah“.

Am Ende nur noch eine Hallig

1711 war der Amsinck-Koog ganz ohne Deiche. Im Watt zwischen Nordstrand und dem Festland lagen nur noch zwei kleine Halligen. Bis 1760 blieben sie im Besitz der Familie Amsinck. 1781 tauchte zum ersten Mal der Name „Hamburger Hallig“ auf. Mit der Halligflut im Februar 1825 verschwand die zweite Hallig endgültig. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an wurde geplant, Hallig und Festland zu verbinden. Das gelang endgültig durch einen 1875 geschlossenen Damm. Drei Jahre später kaufte der Staat die Hallig und verpachtet sie seitdem. Mit dem Damm lagerten sich zunehmend Sedimente vor der Küste ab. Die „Hamburger Hallig“ wurde dadurch zur „Halbhallig“ oder Halbinsel. Dadurch wurde das Land an der Küste deichreif. Doch erst nach dem Ersten Weltkrieg entstand von 1923 bis 1926 der „Sönke-Nissen-Koog„. Zusammen mit dem Neufelder-Koog in Dithmarschen, der von 1923 bis 1925 bedeicht wurde, war das der letzte privatwirtschaftlich geschaffene Koog an der schleswig-holsteinischen Westküste. Schon 1930 wurde die Hamburger Hallig Naturschutzgebiet. Heute ist sie Ausflugsort, bietet Naturinformation, einen Krug und ist Badestelle vor allem der Bredstedter.

Karte aus Albert Petersens Roman „Arnold Amsinck“ von 1921 – die durchgehenden Linien sind die vor der Mandränke 1634, die gepunktete die Küstenlinie 1920

Der Husumer Schriftsteller Albert Petersen setzte 1921 mit seinem Roman „Arnold Amsinck“ den Hamburger Kaufleuten sowie der Hamburger Hallig ein literarisches Denkmal. In Hamburg erinnert an die Familie mit niederländischen Wurzeln noch die „Amsinckstraße“. Im Sönke-Nissen-Koog am Übergang zum Damm zur Hamburger Hallig gibt es seit 2004 das „Amsinck-Haus“ in dem Natur und Geschichte der Hallig Thema sind.

ts (0222*)

Literatur: Arno Bammé und Thomas Steensen: Nachwort. In: Albert Petersen: Arnold Amsinck, Husum 2015 (Nordfriesland im Roman, Band 9), S. 271–344; Thomas Steensen: Vorland – Koog – Hallig. Die dramatische Geschichte der Hamburger Hallig. In: Thomas Steensen: Nordfriesland – von einst bis jetzt, Husum 2022, S.193–195. 

Bildnachweise: Foto: Thomas Steensen; Karte aus: Albert Petersen, Arnold Amsinck, 1921, Hamburg, Hanseatische Verlagsanstalt