Das „Ahrensburger Modell“ war von 1947 bis 1977 häufig Thema der Medien

Die Firma Joh. Friedrich Behrens praktizierte von 1947 an 30 Jahre eine partnerschaftliche Betriebsführung, die Bundesweit als „Ahrensburger Modell“ bekannt wurde. Die 1910 in Hamburg gegründete Firma für Befestigungsmittel wurde 1946 von Carl Backhaus (*1902-1992†) und Hans Rodmann (1953†) für 20.000 Mark erworben. Sie führten schon drei Jahre später und vor dem Umzug nach Ahrensburg 1951 eine Gewinnbeteiligung für die damals 20 Mitarbeiter ein. Nach den schlechten Erfahrungen mit einer autoritären Menschenführung, strebten Gewerkschafter, Betriebs- und Sozialwissenschaftler zusammen mit Unternehmern an, die Wirtschaft zu demokratisieren. Weil die Mitarbeiter dadurch enger an ihren Betrieb gebunden würden, so der Ansatz, sei auch davon auszugehen, dass die Produktivität steigen würde.

Ein Schachclub im Widerstand

Behrens, Rodmann und Backhaus waren Ende der 1920er Jahre mit anderen Unternehmern in Hamburg in einem Schachclub. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wandelte sich der Kreis in eine Widerstandsgruppe. Nachdem Hans Rodmann 1937 aus zweijähriger Haft zurückkehrte, begann die Gruppe Flugblätter zu drucken und zu verbreiten, die dazu dienen sollten über das NS-Regime aufzuklären. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gründete die Gruppe die „Kampfgemeinschaft für totale Demokratie“. Ihre Ideen von demokratischen Betriebsstrukturen konkretisierten Backhaus und Rodmann nach dem Kauf der Firma von Johann Behrens.

Aufstieg einer neuen Idee

1958 wurde die Firma Behrens eine Kommanditgesellschaft. Die als Kommanditisten beteiligten Arbeitnehmer besaßen volles Mitspracherecht im Betrieb und waren am Gewinn beteiligt. Der Nachteil war, dass die Mitarbeiter für die Steuer wie Unternehmer behandelt wurden. Deshalb wurde die Firma 1967 erneut umgewandelt in eine offene Handelsgesellschaft (OHG). 1969 waren von den 400 Beschäftigten 162 freiwillige Stille Gesellschafter. 60 Prozent ihrer Gewinnanteile wurden als Kapitaleinlage gutgeschrieben, 40 Prozent nach Steuern ausgezahlt. Alle halbe Jahre gab es eine Gesellschafterversammlung, ein fünfköpfiger Beirat kontrollierte die Geschäftsführung. Bis in die 1970er Jahre wuchs Joh. Friedrich Behrens stetig, vor allem die Druckluftnagler, Klammern und Nägel trugen den Erfolg. Produziert wurde auch in den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, USA und Mexiko. 

Klammern und Luftdrucknagler für die ganze Welt machten die Firma Joh. Friedrich Behrens und damit das „Ahrensburger Modell“ zur Erfolgsgeschichte

Ein Modell läuft aus

Nach dem Konjunktureinbruch 1973 forderten immer mehr Gesellschafter die Auszahlung ihrer Kapitaleinlagen. Sie verzichteten damit auf ihrem Anteil am Gewinn, blieben aber Angestellte der Firma. Der Abzug des Geldes führte zu Liquiditätsengpässen. Carl Backhaus hatte sein Vermögen über Jahre in eine eigene Stiftung investiert. Um sein Modell weiter zu verbreiten, hatte Backhuas eine ganze Reihe kleinerer, sanierungsbedürftiger Handwerksbetriebe aufgekauft. Damit hatte er sich übernommen und musste 1975 privat Insolvenz anmelden und die Firma verlassen. Die wurde in Folge auf Drängen der Banken in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Damit war 1977 das „Ahrensburger Modell“ beendet. Von den 500 Mitarbeitern von Behrens waren bis dahin 257 am Grundkapital des Unternehmens beteiligt. Unter dem neuen Handelsnamen BeA blieb das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich und es konnte 2010 hundertjähriges Jubiläum gefeiert werden. Erst bedingt durch die Covid-19-Pandemie und Problemen bei der Rückzahlung einer Anleihe beantragte Behrens 2020 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. März 2021 übernahm ein chinesischer Konzern die Firma, die nun eigenständig als BeAGmbH arbeitet. 

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Quellen: Elke Petter in, „Stormarn Lexikon“, Neumünster, 2003, Wachholz Verlag, ISBN 3-529-07150-1; Elke Petter, (digitales) Stormarn Lexikon, Carl Backhaus,

<https://www.stormarnlexikon.de/carlbackhaus/510>

Bildquellen: Stadtarchiv Ahrensburg