SH von A bis Z
     A B C D E F G H I J
     K L M N O P Q R S
     T U V W Y Z
So lebte man in SH um …
     1150, 1350, 1650,
     1800, 1830, 1900,
     1925, 1955

Fußgängerzone

Ausbau der Holstenstraße zum Fußgängerbereich

Ausbau der Holstenstraße zum Fußgängerbereich

Am 12.12.1953 wurde in Kiel mit dem oberen Teil der Holstenstraße die erste Fußgängerzone in Deutschland freigegeben. Gegen den Widerstand des Einzelhandels war im Rahmen des Wiederaufbaus der zu 80 Prozent durch Bomben zerstörten Stadt die Idee einer verkehrsfreien Einkaufstraße vom Stadtbaurat Herbert Jensen(*1900-1968†), unterstützt von der Industrie- und Handelskammer (IHK), entwickelt worden. Während die IHK vor allem fürchtete, dass – ähnlich wie in den USA damals schon erkennbar – Einkaufszentren vor der Stadt die Kaufkraft aus dem Zentrum abzogen, formulierte Jensen, es könne nicht allein das Ziel sein, „dem Kraftwagenbenutzer das Leben (zu) erleichtern, sondern besonders auch dem Fußgänger gerecht zu werden“. 1950 begann man, die Straßenbahn aus dem oberen Teil der Holstenstraße herauszunehmen. Der Einzelhandel fürchtete um seine Umsätze und protestierte gegen die Pläne des Magistrats. Als Ende 1953 der obere Teil der Holstenstraße fußläufig war, warben die Kaufleute im unteren mit ihrem Vorteil, weiterhin mit Tram und Auto erreichbar zu sein. Doch schon nach einem Viertel Jahr waren die Umsätze in der Fußgängerzone um 30 bis 50 Prozent gestiegen. Nun protestierten die Geschäftsleute der unteren Holstenstraße, wollten das auch dieses Stück fußläufig wurde. Das Ziel wurde erst 1957 erreicht, weil es problematisch war, den Verkehr umzuleiten. Von einem halben Kilometer verlängerte sich die Fußgängerzone auf über einen. Das Konzept „Mit Ruhe zu Fuß“ fand schnell auch Nachahmer außerhalb Kiels. In der Fördestadt wurde zur Olympiade 1972 der Rathausplatz autofrei und auch der Bereich des Alten Marktes neu gestaltet, 1973 folgte die Dänische Straße sowie die Schlossstraße. 1988 wurde der untere Bereich der Holstenstraße weitergeführt in den überdachten Bereich des Einkaufszentrums „Sophienhof“. Damit war der nächste Schritt der Entwicklung erreicht. Inzwischen ist festzustellen, dass sich das wirtschaftliche Gewicht vom Alten Markt mehr und mehr hin zum Sophienhof verlagert. Obwohl Kiel inzwischen mit der Öffnung des Wasserlaufes vom Bootshafen zum Kleinen Kiel. der die Holstenstraße quert, versucht, das Ambiente der Innenstadt  attraktiver zu machen ist gerade in den vergangenen Jahren zu beobachten, wie immer mehr Geschäfte schließen und die fußläufige Innenstadt an Attraktivität für Handel und Käufer verliert.

-ju- (0202/0721)

Quelle: IHK zu Kiel, Magazin für Wirtschaft und Politik 1/75; Stadtarchiv Kiel; Bauverwaltungsamt Stadt Kiel; Verwaltungsberichte der Stadt Kiel 1953 ff.

Bildquelle: Stadtarchiv Kiel / Magnussen