Am 16. Mai 2026 trafen sich rund 80 Interessierte auf Gut Pronstorf zu dem Symposium „500 Jahre Heinrich Rantzau (*1526-1598†) – Ideengeber, Anreger und Macher“. Seit zehn Jahren hatte die Segeberger Arbeitsstelle „500 Jahre Heinrich Rantzau“ unter Leitung von Detlef Dreessen Jahr für Jahr Leben und Wirken Heinrich Rantzaus in die Öffentlichkeit getragen. Zum Abschluss galt es nun, mit ausgewiesenen Heinrich-Rantzau-Experten aus Schleswig-Holstein und Dänemark den unterschiedlichen Wirkungsbereichen des bemerkenswerten Mannes aus dem 16. Jahrhundert nachzugehen. Nach der Begrüßung durch den Hausherrn Hans-Caspar Graf zu Rantzau sowie Grußworten des Vorsitzenden der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Friedrich Rantzau, der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft und des Heimatvereins des Kreises Segeberg, Peter Stoltenberg, eröffnete Prof. Dr. Carsten Porskrog Rasmussen (Museum Schloss Sonderburg) die Reihe der Vorträge des Vormittags mit der Frage nach „Heinrich Rantzau als ‚Fugger des Nordens‘?“. Mit seiner erfrischend kritischen Analyse des fast schon ins Mythische übersteigerten Reichtums Heinrich Rantzaus betrachtete der Referent dessen Wirtschaftstätigkeit, Kapitalien sowie Besitz und verglich diese mit entsprechenden Angaben für andere Adlige seiner Zeit. Damit relativierte er die oft übertriebenen Vorstellungen vom Reichtum Rantzaus, denn es muss durchaus zwischen dessen frei verfügbaren und in Form von Verschreibungen, Krediten und Forderungen gebundenen Kapitalien differenziert werden. Auch dies war eine Form, Heinrich Rantzau vor dem Hintergrund seiner Zeit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. In einem weiteren Vortrag stellte Dr. Silke Hunzinger (Kreisdenkmalpflege Plön) anhand historischer Abbildungen „Herrenhäuser und Gärten. Heinrich Rantzau als Bauherr und Mäzen“ vor. Ihr folgte Dr. Martin Schröter (Hamburg) mit seinem Vortrag „Heinrich Rantzaus Offenheit und Toleranz in Glaubensdingen“, die er anhand von drei Zitaten aus Rantzaus Briefen diskutierte. Zuvor hatte der Referent einen theoretischen Rahmen aufgespannt, indem er etwa zwischen Toleranz, Akzeptanz und Offenheit Rantzaus gegenüber seinen Zeitgenossen unterschied.

Musikalisch eingerahmt wurden die Redebeiträge durch zeitgenössische Musikstücke des Ensembles Anonymus, die auf nachgebauten historischen Instrumenten dargeboten wurden.

Nach einem Mittagsimbiss auf Einladung des Gastgebers bot dieser eine informative wie kurzweilige Führung über die Gutsanlage einschließlich der auf das 12. Jahrhundert zurückreichenden Pronstorfer Kirche an; zugleich gab es für die Gäste die Gelegenheit, sich gesellig auszutauschen.

Am Nachmittag wurde die Reihe der Vorträge mit Ausführungen von Prof. Dr. Detlev Kraack (Plön) zu „Humanistische(n) Ideale(n) und reale(r) Politik“ in Krieg und Frieden fortgesetzt. Auch hierbei war es das Bestreben, Heinrich Rantzau als Kind seiner Zeit gerecht zu werden. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wenig Konkretes wir über diesen wissen. Es fehlt bis heute an einer entsprechenden Edition der Rantzau-Briefe, die eine Grundvoraussetzung dafür darstellen würde, eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Biographie Heinrich Rantzaus zu erstellen; eine solche gibt es – abgesehen von der ausführlicheren Würdigung in Johannes Mollers „Cimbria Literata“ – bis heute nicht. Im Anschluss daran sprach Prof. Dr. Oliver Auge (Abteilung Regionalgeschichte der CAU Kiel) kurzweilig über „Erinnerungsstiftung durch ,Leuchtturmprojekte´“ und befasste sich dabei konkret mit der Winseldorfer Forstbaumschule, mit dem Beitrag Rantzaus zu Georg Braun und Franz Hogenbergs „Städtebildern“ und mit der von Rantzau bis 1597 abgeschlossenen Landesbeschreibung, die dann aber erst in Westphalens „Monumenta Inedita“ im Druck erschien.

In einer Abschlussrunde mit Bilanz und Ausblick kamen unter Leitung von Prof. Dr. Detlev Kraack folgende Personen zu Wort und standen dem interessiert sich einbringenden Auditorium Rede und Antwort: Detlef Dreessen (Segeberger Arbeitsstelle ‚500 Jahre Heinrich Rantzau‘), Birgit Scheiter (Itzehoe), und Dr. Caroline Fußbach (Ruhruniversität Bochum). Interessant war hier insbesondere die von Caroline Fußbach vorgestellte, bereits in die konkrete Projektplanung eintretende Initiative zur Sammlung und Veröffentlichung der umfangreichen, auf zahlreiche Archive und Bibliotheken verteilten Korrespondenz Heinrich Rantzaus.

Damit geht der Blick voraus auf die für den 2. Oktober 2026 in Segeberg geplante Tagung über „Heinrich Rantzau und der Städteatlas von Braun & Hogenberg“, zu der die Abteilung Regionalgeschichte der CAU, die Stadt Bad Segeberg und der Arbeitsstelle ‚500 Jahre Heinrich Rantzau‘ einladen.

Eine Veröffentlichung der in Pronstorf präsentierten Vorträge und Gedanken ist als ein Heinrich Rantzau gewidmeter Schwerpunkte in der Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 2027 geplant. Ein Stichwort zu Heinrich Rantzau ist auch hier auf <www.geschichte-s-h.de> zu lesen.

Detlev Kraack/Ortwin Pelc (180526*) Foto: Ortwin Pelc