
Da es unter den Halligen im Nordfriesischen Wattenmeer kein Süßwasservorkommen gibt, stand auf den kleinen Eilanden für das Trinkwasser nur der Regen zur Verfügung. Er wurde für das Vieh in einem künstlich angelegten Teich auf der Warft gesammelt, „Fething“ genannt, halligfriesisch fääding (A). Der Ausdruck hat wohl mit dem Wort „fassen“ zu tun. Die Fethinge, die auf vielen Halligwarften und ganz vereinzelt auch auf dem Festland zum Beispiel auf Eiderstedt noch heute erhalten sind, wurden möglichst an der höchsten Stelle einer Warft errichtet. Ein mit Holzröhren versehenes, verzweigtes Grabensystem am Fuß der Warft, Schetels genannt, sorgte zusätzlich für eine Zuleitung von Regenwasser (F/E). Im Winter schüttete man auch den Schnee in den Fething.
Trinkwasser vom Dach

Für die Versorgung der Menschen wurde das vom Hausdach herablaufende Regenwasser (G) in einer vor Schmutz geschützten Zisterne gesammelt, „Sood“ (B) genannt, das niederdeutsche Wort für Brunnen. Er war aus Steinen und Lehm aufgemauert. Da die Dächer mit Reet gedeckt waren, nahm das Wasser eine leicht gelbliche Färbung an, was den ersten Sommergästen auf den Halligen recht merkwürdig erschien.
Dürre mitten im Wasser
Herrschte im Winter lange Frost oder im Sommer große Dürre, litten die Halligbewohner unter dem Wassermangel. So wurde im Juli 1955 auf Hooge ein „Regenbittgottesdienst“ gehalten. War bei einer Sturmflut Salzwasser in den Fething gelangt, musste dieses mühsam entfernt werden. Auch in den Sood drang manchmal das Nordseewasser ein. Nach der schweren Sturmflut im Februar 1962 mussten mehrere Millionen Liter Trinkwasser nach den Halligen transportiert werden.
Wasser vom Land
Seit den 1960er Jahren wurden zu den ständig bewohnten Halligen Wasserleitungen durch das Watt gebaut, was sich auch auf den Tourismus förderlich auswirkte. Oland und Langeneß erhielten 1964 Wasseranschluss, ebenso die Hamburger Hallig. Hooge folgte 1968. Dort dauerte es noch zwei Jahre, bis alle Warften angeschlossen waren, was mit einem großen Wasserfest gefeiert wurde. Nordstrandischmoor erhielt 1975 eine Wasserleitung, Gröde 1976 und zuletzt Süderoog 1994. Nur die nicht ständig bewohnten Halligen Habel, Norderoog und Südfall verfügen über keine Frischwasserleitung. Die meisten nicht mehr benötigten Fethinge stehen unter Denkmalschutz.
Prof. Dr. Thomas Steensen (0326*)
Literatur: Thomas Steensen und Hans-Peter Ziemek: Kleines Hallig-ABC. Fotos von Günter Pump, Husum Verlag, Husum 2019. – Knut Baudewig: Alltag auf der Hallig, Boyens Buchverlag, Heide 2025.
Bildnachweis: Fotos: Thomas Steensen; Grafik „Die Küste“, 10 Heft 1, 1962, Erich Wohlenberg.