Der Preis der GSHG 2020 an Katja Hillebrand und Prof. Oliver Auge für das „Klosterbuch SH“

Preis der GSHG 2220 für Klosterbuch Schleswig-Holstein

GSHG-Vorsitzender Thomas Steensen begann seine Laudatio zum „Klosterbuch Schleswig-Holstein“, das der Historiker Prof. Oliver Auge und die Bau- und Kunsthistorikerin Katja Hillebrand herausgegeben haben, mit dem Hinweis, dass selbst Geschichtskundige in Schleswig-Holstein wenig über das Thema Klöster wissen 

„Dieser Unkunde wird nun abgeholfen, und zwar in höchst eindrucksvoller Weise. Mit dem „Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg“ ist im Herbst 2019 ein geradezu monumentales und im doppelten Sinne gewichtiges Werk erschienen, nicht in Schleswig-Holstein übrigens, sondern in Regensburg, bei Schnell und Steiner, einem renommierten Verlag für Kunstführer. Es handelt sich um zwei Bände mit insgesamt 1600 Seiten. Zum Transport empfehle ich eine Schubkarre. 

Klöster, Stifte und Konvente im mittelalterlichen Nordelbien von den Anfängen im neunten Jahrhundert bis zur Reformation in allen Facetten – so kann man dieses Werk auf den Punkt bringen. Es handelt sich hier ohne jede Übertreibung um einen Markstein in der Klosterforschung. Ein Grundlagenwerk ist entstanden, denn es bietet erstmals einen umfassenden Überblick zur klösterlichen Kultur in Schleswig-Holstein und Hamburg. Mehr noch: Dieses Werk bringt uns wie kaum ein anderes Schleswig-Holstein im Mittelalter nahe. Denn bis zur Reformation prägten die Klöster, Stifte und Konvente in den Städten und auf dem Lande die geistliche und kulturelle, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend. Sie waren nicht nur Orte der Kontemplation, des Gebets, der Predigt, sondern auch der Bildung, der Musik, der Kunst und der Literatur. Innovativ wirkten sie zum Beispiel in der Landwirtschaft. 

Das Blättern in diesem Werk ist ein Augenschmaus. Es enthält auf seinen 1600 Seiten wohl fast ebenso viele Abbildungen: großenteils noch nicht publiziertes historisches Bildmaterial, Siegel, Urkunden, aktuelle Farbfotografien, dazu neu angefertigte Karten und Grafiken. Ein Glossar sowie eine Liste der Bischöfe runden das Werk ab.

Insgesamt 64 Autorinnen und Autoren aus Geschichte, Theologie, Archäologie, Kunst-, Bau- und Musikgeschichte, Geografie sowie Germanistik haben in ehrenamtlicher Arbeit die gedruckte Literatur sowie die quellenkundliche und materielle Überlieferung erschlossen, haben sich dazu bisweilen in die tiefsten Tiefen der Archive begeben. Diese interdisziplinäre Vorgehensweise, insbesondere die vollumfängliche Einbeziehung von Kunstgeschichte und Archäologie, dürfte auch bundesweit in der Klosterforschung einmalig sein. 

Entstanden ist dieses großartige Werk seit 2007 in der Abteilung für Regionalgeschichte an der Universität Kiel mit ihrem Direktor Oliver Auge. In besonderer Weise hat sich die Bau- und Kunsthistorikerin Katja Hillebrand als wissenschaftliche Mitarbeiterin diesem ambitionierten Vorhaben gewidmet und sich auch unter schwierigen Bedingungen nicht von ihrem Ziel abbringen lassen. Herausgeberin und Herausgeber können stolz auf ihre Leistung sein. 

Mit dem Klosterbuch für Schleswig-Holstein und Hamburg würdigt die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte durch ihren Preis des Jahres 2020 ein „Jahrhundertwerk“, eine Veröffentlichung, die Maßstäbe setzt nicht nur für Schleswig-Holstein, und zudem eine bewunderungswürdige wissenschaftsorganisatorische Leistung, die in der Abteilung für Regionalgeschichte der Kieler Universität vollbracht worden ist. Herzlichen Glückwunsch, Oliver Auge und Katja Hillebrand!“ (Laudatio gekürzt)