GSHG-Schriftführerin Dr.Melanie Greinert gratuliert Stefan Brenne zum Nachwuchspreis 2022 Foto: Ortwin Pelc

Dithmarschen und die Hansestadt Lübeck 1550 bis 1559

Während der Jahresversammlung der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte am 21. September 2022 im Landesarchiv konnte der Nachwuchspreisträger 2022 ausgezeichnet werden. Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte erkennt den Nachwuchspreis 2022 Herrn Stefan Brenner für seine Arbeit Im Fahrwasser regionaler Hansestädte. Dithmarschen in den Konfliktfeldern des westlichen Ostseeraums (1500–1559) zu. Die Laudatio hatte Vorstandsmitglied Frank Lubowitz geschrieben. Da er nicht im Prinzenpalais sein konnte übernahm die Schriftführerin der GSHG, Dr. Melanie Greinert, den Vortrag und die Ehrung für Stefan Brenner. Hier Auszüge:

„Die Arbeit ist 2019 als Master-Arbeit an der Abteilung für Regionalgeschichte bei Prof. Dr. Oliver Auge entstanden und in den Kieler Werkstücke Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, Band 60, 2022 gedruckt erschienen.

Stefan Brenner behandelt in seiner Arbeit die Bündnispolitik Dithmarschens mit Lübeck und den wendischen Städten in der Zeit zwischen der Schlacht von Hemmingstedt (17. Febr. 1500) bis zur Letzten Fehde (1559). Zweifellos sind die politischen Verhältnisse Dithmarschens in den letzten Jahrzehnten dithmarsischer Selbstbehauptung schon seit langem Gegenstand historischer Forschung, das gilt ebenfalls für die Lübecker und Hanse-Geschichte in dieser Zeit sowie für die Geschichte der Herzogtümer in den Jahrzehnten des politischen Umbruchs, der mit der Reformation einherging. Stefan Brenner zeichnet in seiner Arbeit nunmehr, ausgehend von einem zwischen Dithmarschen und Lübeck samt der wendischen Städte bestehenden Bündnisverhältnis diejenigen Konstellationen nach, die dieses Bündnis unterstützen – immer unter der Prämisse, dass eine Unterstützung auch dem eigenen oder den übergeordneten Interessen der Hanse dienen musste. Die Gegnerschaft dieses dithmarsisch-lübischen Bündnisses ist beim dänischen Königtum und den Herzögen von Schleswig und Holstein zu verorten, wobei die Herrschaft für zwei Jahrzehnte bei Friedrich I. und Christian III. in einer Hand lag. Für Lübeck und die wendischen Städte war Dithmarschen ein geeigneter strategischer Partner, dänisch-holsteinische Hegemonieansprüche im westlichen Ostseeraum abzuwehren, nachdem sich Dithmarschen seinerseits in der Schlacht bei Hemmingstedt 1500 als überaus erfolgreich im Kampf gegen fürstliche Ansprüche durchgesetzt hatte. 

Der Autor stellt fest, dass auf dithmarsischer Seite die „endgültige Durchsetzung des 48er-Rats als einer von der nominellen Landesobrigkeit unabhängigen Verwaltungs- und Regierungsstruktur“ Dithmarschen „salonfähig für ein Auftreten auf dem hansischen Parkett“ machte. Diese Bedeutung hatte der 48er Rat im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts errungen, als es ihm gelang die Ansprüche Christians I. abzuwehren. Die Anerkennung der 48er durch Lübeck als politisch gleichberechtigter Partner drückte sich darin aus, dass die Rolle Dithmarschens mehrfach auf Hansetagen zum Thema wurde. Wobei der Versuch Lübecks und der wendischen Städte, Dithmarschen in das hansische Bündnissystem einzubinden, auch vor dem Hintergrund ganz anders gelagerter Interessen z.B. der preußischen Hansestädte zu sehen ist. Deren Interesse richtete sich vielmehr auf einen ungestörten Handel mit den Niederlanden und damit auf eine ungehinderte Sunddurchfahrt anstatt auf die traditionelle Handelsdominanz Lübecks im westlichen Ostseeraum.  

Die Bündnistreue Dithmarschens zu Lübeck bewährte sich auch in Zeiten politischer Umwälzungen, die unter anderem auf die reformatorischen Bewegungen zurückgingen. Lübecks Bürgermeister Wullenweber und sein Bemühen, Lübecks Machtstellung in der Grafenfehde zu festigen, fand in Christian III. einen starken Gegenspieler. Stefan Brenner kennzeichnet diese Zeit als einen Höhepunkt der gemeinsamen dithmarsisch-lübischen Zusammenarbeit, bei der sich die 48er „lebhaft und ohne Vorbehalte an den Kriegsplänen Wullenwevers“ beteiligten, um in der Zeit des Machtvakuums nach dem Tode Friedrichs I. ihre quasi-autonome Stellung zu befestigen.  Letztlich führte die Politik Wullenwebers aber zum Machverlust Lübecks in der Hanse, was auch die Rolle, Dithmarschens schwächte und letztlich aufgrund der bündnispolitischen Eingleisigkeit in die Isolation führte.

Stefan Brenners umfangreiche und hervorragend geschriebene Studie stellt Dithmarschen in seiner historischen Sonderrolle mit dem Anspruch dar, seine quasi-autonome Stellung gegen die benachbarte Fürstenmacht behaupten zu wollen.

Diese verdienstvolle Arbeit verdient den Nachwuchspreis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte – Herzlichen Glückwunsch!“ schloss Dr. Melanie Greinert und überreichte Stefan Brenner Blumen und Urkunde. Der Nachwuchspreis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte ist dank der Brunswicker Stiftung 2022 erstmals mit 2.000 € dotiert.